Komitee für Igelschutz e.V. Hamburg
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Richtlinien zur Igelaufnahme

Igel stehen unter Naturschutz. Sie zählen nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten wildlebenden Tieren und dürfen nur aufgenommen werden, wenn sie verletzt, krank oder hilflos sind, um sie gesund zu pflegen. Die Tiere sind unverzüglich in die Freiheit zu entlassen, sobald sie sich dort selbständig erhalten können.

Das heißt, wir müssen feststellen, ob ein Igel verletzt, krank oder hilflos ist, und wir müssen entscheiden, ob die gesund gepflegten Igel noch vor dem Winter in die Freiheit entlassen werden dürfen.
Es gilt zu beurteilen: findet der Igel zu dieser Jahreszeit in der Natur genügend Nahrung ?
Kann er sich selbständig erhalten, wie die Vorschrift im Naturschutzgesetz lautet ?
Bei Dauerfrost kann er kein Nest mehr bauen.

Igel dürfen aber auch nur dann aus der Natur genommen werden, wenn eine medizinische Betreuung bis zur Genesung und eine artgerechte Unterbringung, Aufzucht und Pflege und ggf. Überwinterung bis zum Aussetzen im Mai gewährleistet ist.

Werden Igel von unerfahrenen Tierfreunden aufgenommen, sollten Erstinformationen von erfahrenen Igelfachleuten, Tierärzten, Tierschutzvereinen oder Naturschutzbehörden eingeholt werden.

Welche Igel bedürfen der Aufnahme zur Betreuung
und ggf. auch zur Überwinterung ?

Es sind nach dem Gesetz die verletzten, kranken und hilflosen Tiere. Kranke Igel erkennt man daran, dass sie schwach und stark abgemagert sind und dann oft am Tage herumirren. Hilflos ist z.B. ein Igelbaby, dessen Mutter getötet wurde.

Die folgenden Punkte geben weitere Hinweise

A - Jungigel unter 400 g

Aufnahme:
Dem Säuglingsalter entwachsene Igel unter 400 g Körpergewicht dürfen ab Dezember zur Überwinterung aufgenommen werden, wenn sie hilfsbedürftig erscheinen.

Siehe Infoblatt: "Woran erkenne ich einen kranken Igel" nach Punkt 6.

Maßnahme:
Artgerechte Betreuung (Winterpflege) und sachkundige Behandlung (Entwurmung) durch den Tierarzt oder Igelfachleute ist erforderlich.

B - Jungigel über 400 g

Aufnahme:
Gesunde Igel über 400 g sollten nur aufgenommen werden, wenn das Nest zerstört wurde.

Maßnahme:
Ggf. im eigenen Garten zufüttern

C - Alte Igel

Aufnahme:
Gesunde Alttiere dürfen nicht aufgenommen werden. Sie bleiben auch im Winter draußen. Verletzte und kranke Tiere sollten jedoch hereingenommen werden.

Maßnahmen:
Artgerechte Unterbringung und Betreuung sowie sachkundige Behandlung durch Tierarzt oder ambulant bei Igelfachleuten
.

D - Igel-Säuglinge ohne Mutter

Aufnahme:
Offensichtlich von der Mutter verlassene (Mutter verletzt oder tot), von Maden befallene oder unterkühlte Nestlinge dürfen nach sorgfältiger, längerer ruhiger Beobachtung ohne Rückkehr der Mutter aufgenommen werden. Stets ist zu prüfen, ob schon Zähne vorhanden sind !

Maßnahmen:
Unterkühlte Säuglinge eingewickelt in Tüchern auf handwarme Gummiwärmflasche legen. Für die dringende Erstversorgung empfehlen wir, eine Mischung aus Eigelb (gekocht) und Fencheltee lauwarm mittels Einwegspritze zu füttern.

Sofortige sachkundige, artgerechte Betreuung (behandeln, wärmen, füttern usw.) oder tierärtzliche Behandlung ist erforderlich. Informationen umgehend bei einer Igelstation einholen.

E - Igel - Säuglinge mit Mutter

Aufnahme:
Die Aufnahme ist verboten ! Säuglinge bei der Mutter belassen. Nur bei Zerstörung des Nestes sind Ausnahmen erlaubt.

Maßnahmen:
Unbedingt vor Störungen schützen !

Eine verletzte Mutter ist jedoch zur Behandlung mit ihren Jungen aufzunehmen. Sie kann vielleicht trotz ihrer Verletzung die Kleinen noch weiter säugen.

Jeder Versuch, unter Mißachtung der gesetzlichen Bestimmungen und ohne Beachtung dieser hier aufgeführten Richtlinien, einen Igel aus der Natur zu nehmen, ist gesetzwidrig und verboten. Das Suchen und wahllose Einsammeln von Igeln zur "Probe" oder zur Abgabe in Tierheime ist keine "Rettung" der geschützten Tiere. Ein vom Hund aufgestöberter Igel ist wieder in sein Revier zu entlassen, wenn er nicht verletzt wurde und kein Dauerfrost besteht.

Verletzte Igel einem Tierarzt vorstellen oder im Notfall vom diensthabenden Arzt des Tierärztlichen Notdienstes beraten lassen.

Igelaufnahme ins Haus !

Wir haben im Herbst einen vermutlich untergewichtigen, kranken oder hilfsbedürftigen Igel gefunden, der ohne unsere Hilfe den Winter nicht überleben kann. Dieses Tier bedarf der menschlichen Pflege unter artgerechten Bedingungen bei Beachtung des Naturschutzgetzes. Der Igel, als unter Naturschutz stehendes Wildtier, darf nicht als Haus- oder Streicheltier gesehen und behandelt werden.

Was müssen wir bei der vorübergehenden Aufnahme ins Haus tun und beachten ?

1. Wiegen

Alle Anfang Dezember aufgefundenen Jungtiere über 400 g sollten möglichst noch bis zum Einbruch der Kälteperiode ihr Futter in der Natur suchen und auch dort auch den Winterschlaf antreten. Als Hilfestellung sollte man im Garten im Winter möglichst lange zufüttern, damit die Tiere das notwendige Winterschlafgewicht von ca. 600 bis 700 g erreichen.

Im Dezember aufgefundene Jungigel, die unter 400 g Körpergewicht liegen, sowie kranke oder verletzte Tiere sollten in menschliche Obhut genommen, gepflegt, behandelt und überwintert werden. Meistens ist schnelle Hilfe und medizinische Betreuung notwendig.

Es sollte aber bedacht werden, dass mit der Aufnahme eines Igels für einige Zeit, außer der großen Verantwortung für ein hilfloses Tier, die Kosten für Futter und Medikamente übernommen werden müssen.

2. Säubern (Flöhe und Zecken entfernen, ggf. baden)

Den Igel auf ein Handtuch setzen, Kopf bedecken, mit mildem Flohpuder vorsichtig wie einen schmalen Scheitel oben auf dem Stachelrücken einpudern, mit einem Gegenstand über die Stacheln streifen und 5 bis 10 Minuten warten, bis die Flöhe getötet sind. Den Igel in lauwarmen Wasser baden, aber nur dann, wenn er sehr schmutzig ist (z.B. Hundekot) und im warmen Zimmer 2 Stunden auf einer Gummiwärmflasche trocknen lassen.

Vorhandene Zecken werden mit der Pinzette tief über der Haut mit einer ruckartigen Drehung entfernt. Achtung : Die Zecken müssen mit dem Kopf entfernt werden. In der Haut bleibende Zeckenreste können zu bösartigen Entzündungen führen. Im Zweifelsfall Arzt oder Igelstation um Rat fragen.

3. Füttern (Grundfutter und Beigaben)

Pro Portion: 1 gehäufter Esslöffel Katzenfutter (Geflügel oder Fisch ohne Soße), 2 Esslöffel Igel-Trockenfutter, eine Messerspitze Futterkalk sowie 1 Tropfen Vitamin B. Diese Zutaten (immer frisch) werden locker miteinander vermischt (Bröckchenfutter). Als Beigaben können abwechselnd 1 Esslöffel ungewürztes Rührei oder gekochte Hühnerflügel gegeben werden (siehe besonderen Futterplan).

Täglich frisches Wasser - keine Milch !

Kranken oder fressunwilligen Igeln muss jeweils bis zur selbständigen Futteraufnahme ein spezielles Futter mit einer Einwegspritze ins Maul gegeben werden. Hinweis hierzu auch in unserem Merkblatt "Hilfe für Igel im Sommer".
In diesen Fällen sollte Kontakt zu einer Igelstation aufgenommen werden.

4. Unterbringung (Gehege und Schlafhäuschen)

Schlafhäuschen:
In einen kleinen Karton (ca. 30 x 25 x 25 cm Höhe) ein Schlupfloch (10 x 10 cm) auf der breiten Kartonseite rechts oder links schneiden, mit 6 Lagen Zeitungspapier auslegen und mit gerissenem und geknittertem Zeitungspapier auspolstern,

Für Igelbabys unter 150 g muß ein Karton mit weichem Papier (Haushalts- oder WC-Papier) bereitet werden.

Unterkühlte Igel sollten zunächst auf eine handwarme Gummiwärmflasche in ein Tuch gelegt werden.

Laufgehege:
Ideal sind Gehege aus Holz, da sie leichter von Kotresten zu reinigen sind und der Laufstall sicherer vor Ausbruchsversuchen ist. Maße (Länge 1,80 m, Breite 60 cm, Höhe 35 cm). Den Boden des Geheges mit 4 Lagen Zeitungspapier auslegen, den Schlafkarton 15 cm vom Rand entfernt hineinstellen; Futter- und Wasserschälchen kommen in die Mitte.
Beschmutztes Papier aus dem Laufstall ist täglich zu entfernen. Der Schlafkarton wird nur dann gereinigt, wenn er stark verschmutzt ist und riecht.

5. Beobachten (Gesundheitskontrolle und Behandlung)

Eine Kotprobe (Kot von 3 Tagen) wird zum Tierarzt gebracht oder an das Hygiene-Institut geschickt. Je nach Befund erfolgt eine Behandlung gegen Darm- oder Lungenparasiten. Der Kot eines gesunden Igels ist braun oder dunkelgrau/schwarz in länglichen festen Röllchen, je nach Futterart heller oder dunkler. Grüner, weiß/beigefarbener dünner, schleimiger und stinkender Kot ist ein Anzeichen von starkem Bakterienbefall. Bei diesen Anzeichen und bereits beginnender Fress-Unlust ist sofort tierärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen oder eine Igelstation um Rat zu fragen.

Das Gewicht und der Allgemeinzustand des Igels muß laufend kontrolliert und notiert werden. Gesunde Igel müssen fressen und zunehmen (wöchentlich ca. 50 bis 70 g). Sonst sind sie krank.

6. Winterschlaf

Bis zum Eintritt des Winterschlafs sollte der Igel auf ein Gewicht von mindestens 600 - 700 Gramm kommen. Zum Winterschlaf ist der gesunde Igel an einen kälteren Ort von unter 5 Grad C zu bringen. Er schläft am besten bei Aussentemperaturen auf Balkon, Terrasse oder im Schuppen in einem isolierten Schlafkarton. Bei bereitgestelltem Wasser und Trockenfutter ist der Igel regelmäßig zu beobachten. Besonders junge Igel wachen hin und wieder auf, nehmen etwas zu sich, entleeren sich und schlafen dann auch wieder ein.

Kranke Igel sollten keinen Winterschlaf machen und müssen bei Zimmertemperatur weiter behandelt werden.

Spätestens Mitte Mai muß der gesunde Igel wieder ausgewildert werden, z. B. am Fundort, wenn geeignet, oder in einem naturnahen Garten.

02/2006